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Polarlichter zu fotografieren gehört zu den Dingen, die gleichzeitig faszinieren und frustrieren können. Viel hängt von der Technik ab, viel vom Wetter, und ein Teil schlicht vom Glück. In den letzten Jahren habe ich mehrfach im hohen Norden fotografiert und dabei genügend Fehler gemacht, um zu wissen, was tatsächlich wichtig ist und was man getrost ignorieren kann. Dieser Artikel soll keine „5 Geheimtipps für perfekte Polarlichter“ liefern, sondern eine realistische Anleitung, mit der man zuverlässig gute Ergebnisse erzielt. Inhaltsverzeichnis Toggle Wie alles angefangen hat Was man vorab wissen sollte Die Ausrüstung Kameraeinstellungen, die zuverlässig funktionieren Situationen, die man so nicht plant Komposition: Ein schöner Himmel ist gut, aber nicht alles Sicherheit im Winter Extra-Tipp: Personen mit Polarlichtern fotografieren Fazit Das Grundprinzip Wie alles angefangen hat Meine ersten Polarlichter habe ich im März 2018 in Island gesehen. Zwar hatte ich mich vorher schon mit Nachtfotografie beschäftigt, aber vieles war damals noch eher theoretisch. Ein paar Nachtaufnahmen ohne Polarlichter sind mir zwar gelungen, aber das war eher Zufall als Kompetenz 😅 Ein Jahr später, im März 2019, war ich mit neuer Ausrüstung und etwas mehr technischem Verständnis in Nordnorwegen. ISO, Belichtungszeit, manuelles Fokussieren im Dunkeln: Das war kein komplettes Rätsel mehr. Ab da wurde das Thema für mich zu einer echten Leidenschaft und mit jeder Reise wurde ich routinierter. Was man vorab wissen sollte Man kann die Sonnenaktivität beobachten, Apps nutzen, das Wolkenradar prüfen und hoffen, aber garantieren lässt sich nichts. Polarlichter sind unberechenbar, und selbst die beste Vorbereitung ist wertlos, wenn eine geschlossene Wolkendecke darüberliegt. Ebenso wichtig ist: Lichtverschmutzung ist ein echter Feind. Wer in Tromsø steht und sich über blasse Polarlichter wundert, hat nicht nur mit der Kamera, sondern auch mit der Stadtbeleuchtung zu kämpfen. Ein weiterer Faktor, der gern unterschätzt wird, ist die Kälte. Akkus entladen sich schneller, die Finger werden ungeschickter und Einstellungen lassen sich nicht mehr so präzise anpassen. Vorbereitung und Erfahrung helfen hier. Die Ausrüstung Du brauchst keine High-End-Ausrüstung, aber es gibt gewisse Mindestanforderungen, die vieles erleichtern: Kamera mit guter ISO-Performance (Vollformat ideal, APS-C absolut brauchbar) Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv 14 – 24 mm (f/1.4–f/2.8) Stabiles Stativ , sofern der Untergrund nicht schwankt Ersatzakkus , warm verstaut Stirnlampe mit Rotlicht , um andere nicht zu blenden Fernauslöser oder Selbstauslöser , um Wackler zu vermeiden Mehr braucht es nicht. Teure Spezialtechnik hilft dir bei Wolken oder falschen Einstellungen auch nicht weiter. Kameraeinstellungen, die zuverlässig funktionieren Als Startpunkt haben sich folgende Werte bewährt: ISO 1600–6400 Offenblende = kleinste f-Zahl = meiste Lichtmenge Belichtungszeit 2–10 Sekunden RAW-Format Je stärker das Polarlicht tanzt, desto kürzer sollte die Belichtungszeit sein. Ein ruhiges, schwaches Polarlicht darf etwas länger belichtet werden, ein schneller „Vorhang” hingegen benötigt 2–3 Sekunden, da es sonst verwischt. Auch die Sterne beginnen zu „wandern”. Der Himmel ist immer in Bewegung. Der Fokus ist das empfindlichste Thema. Die Unendlich-Markierung am Objektiv dient als Orientierungspunkt, ist aber keine Garantie. Die einzig verlässliche Methode ist folgende: Live-View nutzen, auf einen hellen Stern zoomen und manuell scharfstellen. Und das sollte man besser regelmäßig kontrollieren, besonders wenn man das Objektiv versehentlich in der Dunkelheit berührt. Situationen, die man so nicht plant Anekdote 1 – Hurtigruten 2023: Warum Stative auf einem Schiff keine gute Idee sind Im April 2023 war ich mit einem Hurtigruten-Schiff unterwegs, als gegen 23 Uhr eine Polarlichtmeldung kam. Natürlich stürmten alle nach draußen, darunter auch einige Hobby-Profis, die sich mit großen Stativen an allen vorbeidrängelten, um die besten Plätze zu bekommen. Das Ergebnis war vorhersehbar. Ein Schiff bewegt sich immer, selbst wenn es ruhig scheint. Deshalb waren ihre Langzeitbelichtungen durchgehend verwackelt. Wer Polarlichter auf einem Schiff fotografieren möchte, hat genau eine sinnvolle Möglichkeit: hohe ISO, kurze Belichtungszeit, aus der Hand. Alles andere ist Zeitverschwendung. Anekdote 2 – Tromsø: Handyblitz ist der natürliche Feind der Astrofotografie In der Umgebung von Tromsø habe ich oft erlebt, wie Menschen ernsthaft versuchen, Polarlichter mit einem Tablet zu fotografieren. Andere schalten sogar den Blitz ihres Handys ein, weil es ihnen „zu dunkel“ ist. Der Blitz bringt jedoch nichts außer hellen Flecken auf den Fotos der Menschen um sie herum. In dieser einen Nacht habe ich mehr mit fremden Blitzen gekämpft als mit der Aurora selbst. Ein Grund mehr, sich von größeren Touristengruppen zu entfernen. Anekdote 3 – Als die Aufregung größer war als die Technik Als ich zum ersten Mal Polarlichter sah, war ich so nervös, dass ich beim Umgreifen das Objektiv verstellt habe. Dadurch war die Unendlich-Einstellung hinfällig, was ich jedoch nicht bemerkt habe. Am Ende waren die Bilder unscharf und da ich damals nicht im RAW-Format fotografiert habe, ließ sich nichts retten. Das klingt banal, ist aber ein häufiger Anfängerfehler. Seitdem kontrolliere ich den Fokus regelmäßig – auch mitten in der Session. Komposition: Ein schöner Himmel ist gut, aber nicht alles Polarlichter wirken am eindrucksvollsten, wenn sie im Kontext gezeigt werden. Ein Stück Landschaft, ein Baum, ein Haus oder eine Bergsilhouette machen mehr her als ein Foto voller Grün auf Schwarz. Der Horizont sollte gerade sein und künstliche Lichtquellen sollten möglichst nicht im Bild zu sehen sein. Die Kamera erfasst mehr als das menschliche Auge. Manchmal auch mehr, als gut ist. Sicherheit im Winter Was auf Fotos gut aussieht, ist in der Realität oft rutschig, windig und kalt. Ein paar klar formulierte Hinweise: Akkus warmhalten Nicht zwischen warmen Innenräumen und extremer Kälte hin- und herwechseln → Beschlag Abstand zu Straßen halten Warm und sinnvoll anziehen Handy warm verstauen, falls man es wirklich braucht Extra-Tipp: Personen mit Polarlichtern fotografieren Polarlichter zusammen mit Personen im Bild zu fotografieren, ist etwas anspruchsvoller als reine Landschaftsaufnahmen, funktioniert aber mit einer einfachen Technik erstaunlich zuverlässig. In unserem ersten Urlaub in Tromsø hatte ich das Glück, in unserem Farmhotel eine Fotografin aus Deutschland kennenzulernen. Sie hat mir ein paar hilfreiche Tipps dazu gegeben. Den Fokus manuell auf unendlich stellen oder einen hellen Stern fokussieren. Bei der Belichtungszeit haben sich 8 bis 10 Sekunden bewährt. Damit ist genug Zeit, um sowohl das Polarlicht als auch die Personen sichtbar abzubilden. Zusätzlich wird eine Taschenlampe benötigt oder eine andere schwache Lichtquelle. Der Trick ist simpel: Nach dem Auslösen werden die Personen für etwa zwei bis drei Sekunden mit der Taschenlampe angeleuchtet. Nicht dauerhaft und nicht zu stark. Nur so viel, dass sie leicht aufgehellt werden. Die Personen müssen dabei unbedingt ruhig stehen bleiben, da sonst Unschärfen oder Geisterbilder entstehen. Im Grunde ist es das auch schon. Es ist kein großes Hexenwerk, sondern eine Kombination aus richtigem Fokus, etwas Geduld und einem gezielten Lichtimpuls. Fazit Polarlichter zu fotografieren, erfordert eine Mischung aus Vorbereitung, Technik und Geduld. Man lernt mit jeder Nacht dazu und macht Fehler, egal, wie lange man das schon macht. Wichtig ist, die Grundlagen zu verstehen und sich nicht von Blitzlicht, Touristen oder der eigenen Nervosität aus der Ruhe bringen zu lassen. Rückblickend habe ich am Anfang vor allem zwei klassische Fehler gemacht. Zum einen habe ich mich nicht an höhere ISO-Werte herangetraut und stattdessen mit zu langen Belichtungszeiten gearbeitet. Dadurch waren die Bilder zwar hell genug, aber oft weich oder verwischt. Erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass bei Polarlichtern eine höhere ISO-Zahl fast immer die bessere Wahl ist, wenn man Struktur und Bewegung der Lichter einfangen möchte. Wenn die Einstellungen stimmen und der Fokus sitzt, sind die Voraussetzungen optimal. Alles andere übernimmt die Natur. Das Grundprinzip Blende, ISO und Zeit sind drei Regler für Helligkeit. Blende – wie viel Licht gleichzeitig reinkommt offen (f/1.4–f/2.8) → viel Licht geschlossen (f/5.6+) → wenig Licht Nachts gilt fast immer: 👉 so offen wie sinnvoll möglich Warum? du willst kurze Zeiten du willst ISO nicht völlig eskalieren lassen Blende ist nachts meist der festeste Wert . Man stellt sie ein – und lässt sie in Ruhe. Zeit – wie lange du Licht sammelst kurze Zeit → Bewegung wird eingefroren lange Zeit → Bewegung wird verwischt Bei Polarlichtern ist das entscheidend: ruhiges Licht → 6–10 Sekunden okay tanzendes Licht → 2–3 Sekunden, sonst Matsch Zu lange Zeit ist der häufigste Fehler. Das Bild wird zwar hell, aber das Polarlicht verliert Struktur. ISO – wie empfindlich der Sensor reagiert ISO macht kein Licht , es verstärkt nur das Signal. niedrige ISO → sauberes Bild, aber dunkel hohe ISO → helles Bild, mehr Rauschen Nachts ist ISO dein Ausgleichsregler , wenn: Zeit nicht länger darf Blende schon offen ist Rauschen ist ärgerlich, aber: Ein scharfes, verrauschtes Foto ist besser als ein sauberes, verwackeltes.

naturfreund

Traumhaft schön